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Nenio

Nenio

Es kommt oft vor das ich in der Klosterstraße bzw. rund um Litte Tokyo in Düsseldorf, an mehreren Wochenenden hintereinander essen gehe. Sei es Yabase, Nagaya oder Takumi. In knapp 40 Minuten Fahrtzeit habe ich die Möglichkeit, vielfältig und sehr gut japanisch zu essen. Als damals knapp neben dem Nagaya, U. das Restaurant eröffnete, nahm ich mir immer vor dort essen zu gehen. Die Karte las sich sehr interessant, mit einer starken Neigung Richtung japanischen und asiatischen Einflüssen. Irgendwie habe ich es bisher nicht geschafft. Als im April zusätzlich zum U. , in der Küche des Restaurants, das Nenio als kitchen table restaurant dazukam. Und kurz darauf die ersten Berichte in den einschlägigen Blogs auftauchten, war mein Interesse mehr als geweckt. 

Es ist ein unerwartet heißer Tag, dieser 26. August. Düsseldorf feiert 70 Jahre NRW. Ich sitze vor dem Nenio als mich kurz vor 19:00 Uhr Bastian Falkenroth begrüßt und hereinbittet. Im Innenraum des Nenio wurde alles weggelassen was den Fokus um und auf den Herd und die Gerichte ablenken könnte. Schwarze Wände, ein langer Vorhang schirmt den Innenraum von außen ab. Orange leuchtende Hängelampen hüllen den Raum in ein sehr orangefarbenes, diffuses Licht. Ein schwerer U-förmiger Tresen, umzingelt die Küche. Ich nehme auf einem der braunen, schweren, und sehr bequemen Sessel platz...

Direkt zum Start und hervorragend zu einem Glas Comtes de Champagne 2006 (Offen im Ausschank). Eine „Praline“ von Polenta und Parmesan, sowie ein Knäckebrot mit Entenstopfleber. Die Praline mit cremiger Füllung, feinem Parmesan-Geschmack. Das Knäckebrot luftig locker, sehr knusprig und mit einer sehr feinen Entenleber. 

Als nächstes ein „Life changing bread“ und Butter mit Kapuzinerblüten. Das Life changing bread enthält weder Mehl noch Hefe, und wird mittels Flohsamenschalen gebacken, die für die notwendige Bindung durch eine vorherige lange Quellung sorgen. Daneben finden sich noch etliche Saaten und Nüsse. Ich gebe zu, ich war etwas skeptisch, als ich dieses Brot aus der „clean eating“ Bewegung vor mir hatte. Aber trotz der Menge sehr gehaltvoller Zutaten, wirkte es keineswegs beschwerend. Die Kombination der süßen aber durch die Kapuzinerblüten angenehm herben Butter, auf dem warmen Brot, wurde sehr zügig von mir komplett vertilgt. 

Nun der eigentliche erste Gang des Menüs. Burrata aus Sizilien, darauf 3 verschiedene Tomaten sowie Tomatenkernöl. Die einzelnen Tomaten, alle sehr fleischig, wechselten sich geschmacklich mit intensiver Würze und Süße sehr schön ab. In Kombination mit dem krossen Chip und der sahnigen Burrrata, ein mundvoll großer Spaß. 

Butternut-Kürbis, Flechten und Moosbeeren. Der Kürbis in eine Fettuccine ähnliche Form gezogen, mit leichtem Biss und gelb-früchtigen und nussigen Aromen. Die sehr knusprigen Flechten mit leicht moosigem angenehmen Geschmack. Dazu die knackig süß-säuerlichen Moosbeeren. Unterstützt von jeweils zwei süßen Gelen des Kürbis und der Moosbeere. Intuitiv ist man diesen Gang wie ein Pasta Gericht, und hat dabei deutlich unterschiedliche Texturen im Mund, und eine Vielzahl säuerliche wie auch süße Noten. Ein sehr sehr spannender Gang, und sehr schön begleitet mit dem Kabinett Marienburg vom Weingut Walter. 

Leicht geräucherter Wels, mit Holunderkapern und Saubohnen. Die Bohnen einmal als richtig schön schlotziges cremiges und intensives Püree, und im ganzen leicht blanchiert. Der Wels noch leicht angeflämmt, im inneren perfekt gegart und von einer traumhaften Qualität. Dazu die leicht säuerlichen Holunderkapern. Ein Gang mit richtig viel Kraft, aber so ausbalanciert das jedes Element und Aroma noch zum Vorschein kommt. Super! Begleitet mit dem Little Buteo von Michael Gindl. 

St. Pierre, Vin Jaune und Anis-Champignons. Eine Beurre Blanc mit Vin Jaune ummantelt alles an diesem Gang. Der St. Pierre mit leichten Röst-Aromen und schönem festen Fleisch, die Champignons leicht sautiert und nur einer Spur Anis. Aber die Verbindung des etwas reiferen Vin Jaune, mit seinen schweren hefigen und nussigen Noten und etwas kandierten Früchten. Und der Beurre Blanc die etwas Säure mitbringt und der Butter die alles etwas geschmeidig wirken lässt. Und dann perfekt ausgleicht, ist einfach umwerfend. Und um dem Wahnsinn die Krone aufzusetzen, wird dieser Gang mit einem etwas jüngeren Vin Jaune der Domaine de la Tournelle begleitet. Aromatische Maßarbeit!

Wir kommen zum Hauptgang. Die Taube wurde langsam in einem Bett aus Heu gegart. Und wird dann zum Schluss im selbigen geflämmt. Kurz danach füllt sich der ganze Raum mit einem wundervollen Duft von getrockneten Gräsern. 

Taube, Kohlroulade und Holunderbeere. Die Taube mit festem, knackigem Fleisch. Der Jus, dick, konzentriert, ätherisch und würzig. Dieser wurde aus den Karkassen und Innereien der Tauben gezogen. Die Rouladen sind in diesem Moment, obwohl sehr gut, nur Nebendarsteller. Ich seufze während ich die Taubenbrust mit jedem Stück durch den Jus ziehe, denn ich weiß das Ende dieses Ganges ist nah. Das ganze Menü heute Abend hat mit jedem Gang immer mehr fahrt aufgenommen, und das ist hier das Grande Finale. 

Ein wenig Trost bevor es in die Bahn zurück nach Bochum geht, liegt dann noch vor mir. Feige, Sanddorn und dunkle Schokolade. Schwere dunkle Schokolade, gefüllt mit Fondant. Und viel fruchtigen und tropischen Noten in Form von Früchten, Gel und einem Sorbet darauf. Und selbst beim Dessert gibt es keinen Ausreißer. 

Als ich später in der Bahn sitze und über diesen Abend nachdenke, ist eines der ersten Worte die mir dazu einfällt „Präzision“. In jedem Gang wahnsinnige kraftvolle Aromen, die nie am Gaumen übersättigen, überfordern oder gar ermüden. Mit jedem Teller, freute ich mich auf das was jetzt kommen würde. Denn es war jedesmal fast zu zerbersten aufgeladene Spannung. Wenn in ein paar Wochen das Menü wechselt, werde nein muss ich wieder vorbeischauen. 
 

NENIO / Klosterstr. 34 40211 Düsseldorf

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag ab 19:00 Uhr
Menüs: 1
Preis: Aktuelles Menü 120 Euro inkl. Wasser
Vegetarisches Menü: Nein
Weinbegleitung: 65 Euro

 
Haus Stemberg

Haus Stemberg

Noma

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