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Von der schwedischen Großstadt in Regensburg und Wurstgelagen in Windischeschenbach / Foodcamp Oberpfalz Teil 1.

Von der schwedischen Großstadt in Regensburg und Wurstgelagen in Windischeschenbach / Foodcamp Oberpfalz Teil 1.

4:25 Uhr Bochum Hauptbahnhof. 
Sieben Stunden Bahnfahrt trennen mich von meinem ersten Foodcamp. Draußen zieht halb Deutschland an mir vorbei und die ersten herbstlichen Sonnenstrahlen dieses Tages tauchen die vorbeiziehende Landschaft in verschiedene Nuancen Orange und geben von ihr nun allmählich Preis als nur die Lichter der Straßenlaternen, Autos und Fenster. Im Osten leuchtendes Orange, im Westen dunkelgrau.

Guten Morgen Rheingau, Guten Morgen Frankfurt, Guten Morgen Nürnberg. 

Unterwegs stellen Johannes und ich per Twitter fest das wir beide im gleichen Zug sitzen. Wir verabreden uns zu einer Taxi-Gemeinschaft. Da ist er nun: der erste Kontakt am Gleis des Hauptbahnhof Regensburg, mit einem der Menschen mit denen ich die nächsten vier Tage von morgens bis abends Regensburg und die Oberpfalz erkunden werde. Ein wenig Nervosität löst sich. Im Hotel treffen wir Oliver. Zu dritt machen wir uns auf den Weg quer durch die Innenstadt, um die anderen auf dem Wochenmarkt zu treffen. 

Guten Morgen Regensburg. 

Während wir durch die kleinen Gässchen dieser unverschämt schönen Stadt streifen sage ich zu Johannes und Oliver, dass es als Bewohner der Ruhrgebietes kaum auszuhalten ist, all diese architektonische Schönheit zu verarbeiten. Nirgends auch nur ein Anflug von baulicher Tristesse, dafür unzählige Perspektiven von harmonischen und grafischen Formen, Ecken und Farben. Fassaden in Flieder, Mintgrün, Rose, Vanille. Selbst eine Spielothek hat eine handgemalte Typo als Außenwerbung anstelle eines tristen Plastik Neonlicht Schildes. Der Regensburger Dom mittendrin, hauptsächlich aus Kalkstein erbaut wie ein verwinkelter abstrakter Farbaufnehmer des Himmels. Heute an diesem leicht grauen November Tag mit Facetten von Grau und Weiß. 

Nach kurzem Suchen treffen wir einen Teil der anderen, die schon die ersten Einkäufe für den morgigen ersten Kochabend getätigt haben. Ein kleiner Wochenmarkt, überschaubar aber prall gefüllt mit regionalen Erzeugnissen und Menschen hinter den Ständen mit gesunden roten Wangen und tiefen Falten. Weiter geht es zur Markthalle. Auch hier fällt mir die enorme Fülle an regionalen Produkten auf. Rosenkohl am Strauch, gelber, grüner, violetter Blumenkohl, alles aus heimischem Anbau. Wir gehen zum Rosenpalais nur unweit vom Regensburger Dom, das unsere Küche und Gastraum für zwei Abende sein wird, und verstauen unsere Einkäufe. 

Nach einem Gang zurück durch die Regensburger Innenstadt gelangen wir zu unserem Auftakt. Das Storstad (Großstadt auf schwedisch) liegt mitten in Regensburg, fast neben dem Dom im 5. Stock. Durch einen Aufzug gelangen wir zum Restaurant. Vorbei an Wänden mit goldenem und schwarzem Graffiti  gehen wir zur Bar mit einer warmen hölzernem Wandvertäfelung und einem großen indirekt beleuchtetem Storstad Logo. Daneben direkt das Fenster zur Küche, die zur Hauptmittagszeit ein wildes, aber doch irgendwie geordnetes Ballett tanzt . Das erste Glas Champagner, oder besser gesagt: mit meinem Frühstück in der Hand, gehen wir weiter zur Dachterrasse. Und hier stehen nun fast alle Teilnehmer unter dem mittlerweile fast gänzlich bayrisch blauen Himmel, begrüßen sich, schauen über die Dächer von Regensburg und auf die Türme des Doms. 

Nach dem einen oder anderen weiteren Schluck (Glas) begeben wir uns in den Gastraum, auch hier viel Holz, weiße Wände und eine raumlange bis zum boden reichende Fensterfront mit  einer weiteren Terrasse mit Blick über Regensburg. Der Gastraum wird durch eine Mauer sichtbar begrenzt. An beiden Enden des Raums jeweils Separees, die weiteren Gästen Platz bieten. Die Tische im warmen Holz und bodenlangen Tischdecken die in Schlitzen an beiden Seiten der Tische verschwinden, darauf aus Sichtbeton gefertigte Tischlampen. Ich denke darüber nach wie charmant ich diesen Bruch mit dem mittelaterlichen Regensburg draußen und dem klaren skandinavischen Design im Restaurant finde. 


Der Lunch beginnt mit vier Grüßen aus der Küche: 

Maisbällchen, Koriandermayonaise und Chilli
Der konzentrierte Geschmack des süßen Mais wird beim Biss in die Praline von der Koriandermayonaise sehr elegant mit einer frischen Cremigkeit umhüllt und zum Schluss zieht die angenehme Schärfe der Chilli deutlich am Gaumen nach. Sehr guter Start, den ich mir wunderbar mit einem weiteren Glas Champagner vorstellen könnte. 

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Paprikasüppchen mit Kokos-Limetten-Schaum
Die spitze Schärfe der Paprika harmoniert angenehm mit der Säure der Limette und dem feinen Kokos-Aroma.

In Streifen geschnittene Saitlinge auf Linsen, dazu Rettich und Daikon Kresse
Die Nussigkeit der Linsen wird schön mit der frischen Schärfe des Rettichs kombiniert. Allgemeiner Grundtenor an meinem Tisch: dass wir alle viel zu wenig mit Linsen machen. 

Frisches warmes Brot, in der Tonschale gebacken, verschieden aromatisiert dazu eine Blumenkohlcreme
Während wir auf den ersten Gangs unsere Menüs warten, muss ich aufpassen, mir nicht den Bauch mit  Brot und Creme schon mehr als zu füllen. Die Blumenkohlcreme, die sich fast seidig am Gaumen präsentiert und dazu das warme Brot ergeben einen fast unwiderstehlichen Reiz, immer wieder zuzugreifen. 

Das Menü:

Fjordforelle, Sternfrucht und Jakobsmuschel

Der Service annoncierte es mit einem zwinkernden Auge als Sushi für Faule oder auch Chirashi. Ich bin begeistert von der Qualität der Fjordfelle und der sehr gut ausgewogenen Komposition mit Ingwer, Wasabi und Sternfrucht. Der Reis hat eine angenehme säuerliche Note. Die Jakobsmuschel wurde leicht geflämmt und ist innen voll auf dem Punkt. Aber vor allem der dazu begleitende Nanbu Bijin Sake Ginjo, mit Anklängen von Anis, tropischen Früchten einem feinem Hefeton gibt die perfekte Ummantelung für diesen Gang. 

Fjordforelle, Chirashi, Sternfrucht, Jakobsmuschel. #fcoby #storstad

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Zander, Händlmaier Senf, Mango, Sauerkraut
Ich nehme es vorweg, mein Highlight bei diesem Lunch. Der Zander: perfekt gebraten im spannenden Zusammenspiel mit der Säure des Sauerkrautes und den süß / scharfen Aromen des Händlmaier Senf und Frucht der Mango. Die Getränkebegleitung in Form des PAs, der auf der anderen Donauseite liegenden Spitalbrauerei, ist eine Kombination, die ich leider gnadenlos klauen werde. 

Zander Senf Mango Sauerkraut #fcoby

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Silverhill Ente, Dattel, Zitrusfrüchte, Vadouvan
Die Entenbrust auf einem Pastinakenpüree, dazu Quitte (mariniert mit Ponzu und einmal Yuzu) und Dattelgel ergibt ein feines Spiel der Säuren dazu Vadouvan Jus, texturell aufgelockert mit Amaranth und Quinoa. 

Silverhill Ente Dattel Zitrusfrüchte #fcoby

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Kürbis, Sanddorn, Mandel, Amaretto
Saftig, lockere Bisquit, darauf ein fruchtiges Sandornsorbet mit Kürbiskernen auf einem Amaretto Schaum. Eine schön schlotzige und angenehm scharfe Angelegenheit. 

Sandorneis Kürbis Mandelkuchen #fcoby

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Wir begeben uns zurück zum Hotel, verstaue hastig den Koffer auf meinem Zimmer und mache mich dann mit der Gruppe auf den Weg ins 100 km entfernte Neuhaus/Windischeschenbach. Die Sonne ist längst untergegangen, am dem Fenster unseres Reisebusses streift eine hell/dunkel/hell Stück Bayern und Autobahn an mir vorbei. 

Angekommen stehen wir mitten in Neuhaus auf einer regnerischen einsamen Dorfstraße, das Gasthaus gegenüber hell erleuchtet und durch die Fenster sieht man ein paar vereinzelte Gäste. Der Rest menschenleer, denn das eigentliche Dorfleben findet zu diesem Zeitpunkt eine Etage tiefer statt, dazu später mehr. 

Wir gehen ein paar Meter zum Kommunbrauhaus Neuhaus dort erwartet uns der Käck'n Braumeister Matthias Schönberger, der auch noch gelernter Metzger ist. Wir lauschen alle seinen Erläuterungen zu diesem Brauhaus und Geschichte der Braurechten. Und während man sich in diesem Brauhaus umschaut, was eigentlich mehr einer Scheune ähnelt, denke ich wie puristisch rustikal dieses Brauhaus gegenüber den klinisch hochgezüchteten modernen Brauhäusern wirkt. Und wie man hier in dunklen einsamen Winternächten sein Bier braut, und wie die Verbindung von Genuss, Tradition und Heimat hier entstand. Speis und Trank sind hier unmittelbar verwurzelt, als etwas Elementares ihrer Geschichte und Identifikation. 

Stevan leitet mit „Wir sollten aber jetzt mal das Endprodukt testen“ den Übergang zur Zoiglstube ein, in diesem Falle den unmittelbar neben dem Kommunbrauhaus gelegen Schoilmichl. Eine Zoiglstube ist im eigentlichen Sinne keine richtige Gastwirtschaft, Familien mit Braurecht öffnen ihre Zoiglstube nur zu festgelegten Zeiträumen im Monat. Man kann es sich als erweitertes Wohnzimmer der jeweiligen Familie vorstellen. 

Wir betreten den Schoilmichl und gelangen über eine Treppe zu den Gasträumen. Und dort wird sofort sichtbar wo an diesem Abend das eigentlich Dorfleben stattfindet. Ein sehr bunter Querschnitt des Dorfes sitzt gemütlich nebeneinander, trinkt sein Zoigl, vor Ihnen üppige Platten verschiedenster Wursterzeugnisse. Wir finden mit unserer Gruppe in den hinteren Räumen an drei verschiedenen Tischen Platz und mischen uns damit direkt in den Kern dieses Dorfes. Man kommt schnell ins Gespräch, und die Bewohner sind auch ein wenig verwundert, warum Menschen ohne eigentlich Urlaub zu machen durch Ihre Region reisen, und was man denn sonst so macht.

Über Hunger denke ich an diesem Abend nicht nach, nicht nach diesem Mittagessen, es ist eine Mischung aus Appetit, Neugier auf Lokalkulinarik und die Dynamik der Gesellschaft im Schoimichl und die Vorsorge die Unmengen an Zoigl überstehen zu können. Markus und ich bestellen uns jeweils eine Hausmacher Brotzeit.

Etliche Zoigl später steigen wir wieder in unseren Bus, übersättigt, ein wenig aufgekratzt von den Eindrücken dieses Tages und mancher mit ein paar Fässern Zoigl im Gepäck. 

Ich wurde von Bayern Tourismus zum Foodcamp Regensburg / Oberpfalz eingeladen, meine Eindrücke und Meinung bleibt aber hiervon unberührt

Synopse der neuen Gastlichkeit — Ein Restaurant und Menü Mashup

Synopse der neuen Gastlichkeit — Ein Restaurant und Menü Mashup

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